Renoviertes VW-Flaggschiff – Tiguan bringt ersten eHybrid

Wolfsburg.  Das Performance-Modell Tiguan R bringt 320 PS und ein revolutionäres Fahrwerk mit. Der Tiguan ist weltweit der erfolgreichste Volkswagen.

Der Tiguan ist Volkswagens weltweiter Bestseller.

Der Tiguan ist Volkswagens weltweiter Bestseller.

Foto: Volkswagen

Selten trifft der Begriff Facelift so gut eine aktuelle Produktaufwertung wie beim neuen VW Tiguan. Der Wolfsburger Bestseller – Europas SUV Nummer eins sowie weltweit der erfolgreichste Volkswagen – hat ein komplett neues Design der Frontpartie erhalten: Der 4,51 Meter lange Tiguan schlägt nun stilistisch eine Brücke zum größeren Touareg. Die Motorhaube präsentiert sich über dem markanten Kühlergrill höher als beim Vorgänger und sorgt gemeinsam mit den neu konzipierten, serienmäßigen LED-Scheinwerfern für einen kraftvollen Auftritt, der an den bisherigen Tiguan Allspace oder das US-SUV Atlas Cross Sport erinnert.

Ein echter Hingucker, so die Reaktion zahlreicher Verkehrsteilnehmer während der Fahrpräsentation zwischen Wolfsburg und dem herbstlich, malerischen Reitlingstal im Elm. Die Heckpartie wurde moderat – vor allem im unteren Bereich – modernisiert. Das neue Volkswagen Logo und der „Tiguan“-Schriftzug markieren das „Facelift“ auf den ersten Blick.

SUV Tiguan gibt es künftig in vier Ausstattungsversionen

Weitaus spannender ist der Blick in das Wageninnere. Künftig gibt es das Wolfsburger SUV in den Ausstattungsversionen „Tiguan“, „Life“, „Elegance“ und „R-Line“. Sie alle sind nochmals besser ausgestattet als die vergleichbaren Vorgänger. Der MIB3 bringt den neuen Tiguan auf das aktuelle Niveau der zahlreichen Infotainmentsysteme. Ab der Ausstattung „Life“ haben alle Tiguan eine Drei-Zonen-Klimaautomatik an Bord. Für die Steuerung sämtlicher Heiz- und Lüftungsfunktionen hat der Volkswagen eine neue, digitalisierte Bedieneinheit unterhalb des zentralen Displays bekommen. Touchflächen und Slider übernehmen dabei die Funktion der Drehregler und Tasten. Das Modul selbst ist in einem hochglänzenden Schwarz ausgeführt.

Die interessantesten Neuerungen finden sich jedoch unter der Haube beziehungsweise im Heck des neuen Tiguan: Die TDI-Motoren stehen direkt zum bereits erfolgten Verkaufsstart (ab 28.205,55 Euro) mit 90 kW (122 PS), 110 kW (150 PS) sowie 147 kW (200 PS) zur Verfügung. Die 147-kW-Version verfügt zudem stets über den „4Motion“-Allradantrieb; das 110-kW-TDI-Modell optional. Sie alle haben ein zweifaches SCR-Katalysatorsystem („Twindosing“), das die Stickoxide im Vergleich zum Vorgänger auf ein absolutes Minimum reduziert. Die 1,5-Liter-TSI Vierzylinder mit 96 kW (130 PS) und 110 kW (150 PS) bewährten sich bereits im Vorgänger und arbeiten mit einer selektiven Zylinderabschaltung, durch die der Verbrauch weiter gesenkt werden konnte.

Flaggschiff Tiguan R wurde gänzlich neu entwickelt

Gänzlich neu entwickelt wurde der Tiguan R – das sportliche Flaggschiff der Baureihe – mit 235 kW (320 PS). Der 2,0-Liter-Turbobenziner der Serie EA888 evo4 entwickelt bereits ab 2.100 Umdrehungen pro Minute ein Drehmoment von 420 Newtonmeter. Die Höchstgeschwindigkeit des stärksten Tiguan liegt bei Tempo 250. Als erstes R-Modell verfügt der Tiguan R über einen neu entwickelten Allradantrieb mit radselektiver Momentensteuerung auf der Hinterachse – „R-Performance Torque Vectoring“ genannt. Dabei wird die Kraft des Antriebs über den „Torque-Splitter“ nicht nur zwischen der Vorder- und Hinterachse, sondern auch zwischen den zwei Hinterrädern verteilt. Insbesondere in Kurven kann so die Agilität des SUV signifikant gesteigert werden. Jede Kurve(nkombination) im Reitlingstal wurde damit zu einem besonderen Genuss.

Am spannendsten ist jedoch das neue technische Flaggschiff der Baureihe. Dank einer vor der Heckachse verbauten Lithium-Ionen-Batterie mit einem Energiegehalt von 13 kWh ist der neue Tiguan eHybrid im reinen „E-Mode“ über Distanzen von bis zu 60 Kilometern (NEFZ) rein elektrisch unterwegs. Das dürfte für den reinen Stadtverkehr auch realistisch sein. Im Modus „Hybrid“ arbeiten der Turbobenziner (110 kW/150 PS) und die E-Maschine (85 kW/115 PS) zusammen und sorgen für eine Gesamtsystemleistung von 180 kW (245 PS). Für die Straßen südlich von Wolfsburg genügte die elektrisch erreichbare Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h allemal für zügiges Überholen.

Das ruhige Dahingleiten mit flüsterndem Auto lässt auch im Tiguan die typische entspannte E-Stimmung aufkommen, jedenfalls für rund 50 Kilometer. Danach musste der Benziner allein ran. Nach 100 Kilometern stand so ein Verbrauch von 4,5 Litern auf der Uhr. Das Ergebnis ist klar: Wer weniger als 25 Kilometer zur Arbeit pendelt, kommt ohne Benzin aus. Wer längere Strecken zurücklegt, dem sei geraten, den Hybrid-Modus nicht zu verlassen und so immer auch den Elektroantrieb mit bei der Arbeit zu wissen.

Wer Batterie leerfährt, der wird bestraft

Wer die Batterie leerfährt, wird dafür bestraft, denn für den elektrifizierten Tiguan haben sich die Entwickler etwas Besonderes ausgedacht: Wer sein Ziel einprogrammiert, für den rechnet der Computer anhand auch des Streckenprofils aus, wie er seinen Strom von daheim auf dieser Strecke am besten ausnutzt. Am Ziel soll die Batterie dann erschöpft sein und der Elektromotor sein Bestes für den niedrigen Verbrauch gegeben haben. Natürlich kann der Fahrer auch anweisen, dass die Batterie nie unter ein bestimmtes Niveau absinkt, so dass am Ziel noch genügend Strom für die elektrische Anfahrt aufgespart wird.

Übrigens: Kürzlich haben falsche Freunde den Hybridantrieb mit der Behauptung in Verruf gebracht, die Verbrauchsangaben bei Plug-In-Hybridantrieben seien falsch. Die konnten aber gar nicht anders ausfallen, weil Prüfverfahren und die Berechnung von EU-Vorschriften geregelt sind. Darüber hinaus ist niemals die verbaute Technik schuld, wenn sie gar nicht oder falsch genutzt wird. Elektronik, Navigation und der Fahrer selbst können definitiv dafür sorgen, dass der Verbrauch an Kraftstoff so gering wie möglich ausfällt. Erfahrene Plug-In-Hybrid-Fahrer berichten selbst als Berufspendler von weniger als fünf Tankstopps in sechs Monaten. Ergo: Hybride wie der neue Tiguan eHybrid leisten also einen wichtigen Beitrag zur Transformation der Mobilität – wenn man sie richtig nutzt!

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