Prima Protest-Klima unterm Globus der VW-Autostadt

Wolfsburg.  Das Auto muss raus aus den Städten. Mit weniger wollen sich die Klimaschützer nicht zufriedengeben, die in der Autostadt protestierten.

In Tierkostümen hängen Aktivisten am Globus im Eingangsbereich der Autostadt. Wenig später klettern sie runter und geben eine Pressekonferenz.

In Tierkostümen hängen Aktivisten am Globus im Eingangsbereich der Autostadt. Wenig später klettern sie runter und geben eine Pressekonferenz.

Foto: Sebastian Priebe / regios24

Für polarisierende Präsentationen ist die Autostadt des Volkswagen-Konzerns nicht unbedingt bekannt. Die Welt des Automobils wird dort eher keimfrei und möglichst perfekt inszeniert. Schließlich holen dort jährlich auch Zehntausende Kunden ihren VW-Neuwagen ab. Und die wollen dabei nicht unbedingt mit den unschönen Begleiterscheinungen des Individualverkehrs konfrontiert werden. Am Dienstag und Mittwoch wurden sie das aber. Sechs Mitglieder einer Klimaschutz-Aktionsgruppe hatten einen großen Globus in der Kuppel des Eingangsbereiches erklettert und forderten auf dort angebrachten Plakaten unter anderem eine drastische Reduzierung des Autoverkehrs und einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr.

Nach 24 Stunden räumten die Aktivisten und ihre Unterstützer freiwillig das Feld. Beide Seiten bescheinigten sich angesichts der schwierigen Ausgangslage einen zivilisiert-professionellen Umgang. Prima Klima unterm VW-Globus, sozusagen. Die gesamte Aktion verlief friedlich und ohne Konsequenzen für die Klimaschutz-Aktivisten. Sie stand in direkter Beziehung mit der Blockade eines Zuges mit Neuwagen in der Nähe des VW-Werkes , die am Dienstag gegen Mitternacht von der Polizei beendet wurde.

In Kuh- , Bienen- und Tigerkostümen gaben die jungen Frauen und Männer dann gegenüber Medienvertretern Auskunft über ihre Motive. „Es ist beim Klimaschutz viel zu wenig passiert. Deshalb haben wir uns für eine Aktion entschieden, die über das Normale hinausgeht. Und das ist nicht die letzte Aktion dieser Art“, erzählt eine junge Frau, die nach eigenen Angaben auch bei den Protesten im Hambacher Forst dabei war. Die energiepolitischen Diskussionen in Deutschland müssten im Kontext einer wirtschaftlichen Ausbeutung „des globalen Südens durch den globalen Norden“ geführt werden, findet die Frau. Es gehe ihnen um Klimagerechtigkeit. Die Erde vertrage keinen weiteren Raubbau an den Ressourcen mehr. Wenn ein Unternehmen wie Volkswagen jetzt eine Elektrostrategie propagiere, dann sei das nicht glaubwürdig und auch nicht ausreichend, um eine Verkehrswende herbeizuführen. VW wolle sich offenbar „ein grünes Image zurechtbasteln“, finden die Aktivisten. Die Reaktionen der Besucher der Autostadt seien sehr unterschiedlich ausgefallen, bilanziert die junge Frau im Bienenkostüm. Viele hätten zwar grundsätzlich Verständnis gezeigt, seien dann aber weiter ins Kundencenter gegangen, um ihren Neuwagen abzuholen. Einen Realitätsschock löste das allerdings nicht aus bei den Klimarettern. Sie wollen weitermachen. Auch durch weitere Aktionen im Umfeld von Volkswagen, wie sie andeuteten.

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