Braucht VW bald wieder neue Leiharbeiter?

Wolfsburg/Kassel.  Die Riesenfabrik von VW in Wolfsburg ist derzeit nicht ausgelastet. Wenn sich das ändert, könnte es an Personal fehlen. Eine knifflige Situation.

Derzeit macht vor allem der unbefriedigende Absatz des auslaufenden Golf 7 den Wolfsburgern Kummer. Mit dem neuen Golf soll sich das ändern.

Derzeit macht vor allem der unbefriedigende Absatz des auslaufenden Golf 7 den Wolfsburgern Kummer. Mit dem neuen Golf soll sich das ändern.

Foto: Julian Stratenschulte/picture alliance

Volkswagen hat ein Leiharbeiter-Problem. Aber es gestaltet sich von Werk zu Werk ganz unterschiedlich. Während in der hessischen Fabrik in Baunatal angeblich zu viele Zeitarbeitnehmer an Bord sind, fehlen sie offenbar derzeit im Wolfsburger Stammwerk, wo die Golf-8-Anlaufkurve sukzessive steigt. Am Mittellandkanal wurden die Leiharbeitsstellen weitgehend abgebaut oder in feste Arbeitsplätze umgewandelt. Die Folge: Die „atmende Fabrik“ japst derzeit nach Luft.

Gut 200 slowakische Kräfte, deren Werk in Bratislava nicht ausgelastet war, helfen noch bis Ende Oktober in der Wolfsburger Montagesowie in Emden aus. Wie zu hören ist, bemüht sich das Management, sie in Wolfsburg zum längeren Bleiben zu bewegen. Pikanterweise hatte VW in der Slowakei zu Jahresbeginn ebenfalls auslaufende Zeitarbeiterverträge nicht verlängert.

Im Wolfsburger Stammwerk versuchte das Management bisher, das vorhandene Personal möglichst flexibel einzusetzen. Das geht so lange halbwegs gut, wie die Auslastung der Riesenfabrik unterdurchschnittlich ist. Sollten die Verkäufe dank eines guten Anlaufs des Golf 8 im nächsten anziehen, kommt man mit der derzeitigen Mannschaftsstärke wohl nicht mehr über die Runden. Andererseits gibt es ein straffes Sparprogramm – statt Einsparungen will das Management eigentlich noch Personal los werden. Ob der Betriebsrat sich noch einmal darauf einlassen würde, Zeitarbeitnehmer einzustellen, ist nach den Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre fraglich. Da das Unternehmen sie wohl mit Sicherheit nicht nach Ablauf ihrer Verträge fest einstellen würde, müsst dieses Risiko finanziell kompensiert werden.

In Kassel sind hingegen bis zu 600 Leiharbeiter-Stellen in Gefahr, wie Betriebsratschef Carsten Bätzold der Zeitung Hessisch-Niedersächsische Allgemeine (HNA) bestätigte. 100 Jobs seien akut gefährdet. Wie in Wolfsburg gibt es auch in Baunatal derzeit Schließtage. Im nordhessischen Werk arbeiten derzeit rund 17.000 Menschen. „Für 100 Leiharbeiter, deren Vertragslaufzeit im Sommer gerade erst um fünf Monate von 31. August auf 31. Januar verlängert worden war, sieht es mit Blick auf eine Weiterbeschäftigung schlecht aus“, berichtet die HNA. Um den Fortbestand der anderen 500 Stellen werde immer noch mit dem Vorstand gestritten, wird Bätzold zitiert. In Wolfsburg könnte man sie vielleicht im neuen Jahr benötigen – sofern der Absatz deutlich anzieht.

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