Osterloh: Wolfsburgs Nordkopf braucht einen Campus

Die großen Pläne für das Nordkopf-Quartier stehen und fallen mit der Transformation von Volkswagen zu einem softwaregetriebenen Mobilitätskonzern.

In die ehemalige Hertie-Markthalle zieht die Programmierschule 42Wolfsburg ein. Daraus muss sich mehr entwickeln, fordert nicht nur VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Er will mit einem studentischen Campus ganz neues Flair an der Nahtstelle zu Autostadt und VW-Stammwerk schaffen.

In die ehemalige Hertie-Markthalle zieht die Programmierschule 42Wolfsburg ein. Daraus muss sich mehr entwickeln, fordert nicht nur VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Er will mit einem studentischen Campus ganz neues Flair an der Nahtstelle zu Autostadt und VW-Stammwerk schaffen.

Foto: Helge Landmann / regios24

Wolfsburg. Um welches Zentrum herum soll sich das künftige Nordkopf-Quartier entwickeln?In dieser zentralen Frage Volkswagen-Betriebsratschef Bernd Osterloh jetzt klar Position bezogen. In einer Publikation der IG Metall Wolfsburg legte Osterloh sich fest: „Wir brauchen einen Campus am Nordkopf als Brücke ins Werk.“ Das bedeutet wohl auch, dass die neue Programmierschule „42Wolfsburg“ in der ehemaligen Hertie-Markthalle nur ein Baustein des künftigen Bildungsangebotes am Nordkopf ist.

Eine Heimat für die Mitarbeiter der Car.Software-Organisation

Das Fundament aller Überlegungen ist die neue Car.Software-Organisation von Volkswagen. Sie baut derzeit intern und extern Personal auf, um künftig im industriellen Maßstab Software für den Konzern zu entwickeln. Die neue Einheit hat mehrere Standorte, ist also operative dezentral organisiert. In Wolfsburg aber soll in der Nähe der Konzernzentrale und der IT-City ein personeller Schwerpunkt gesetzt werden. Dafür könnten am Nordkopf neue Büro- und Wohnkomplexe entstehen.

„Das Nordkopf-Projekt ist für mich sein sehr wichtiges Puzzleteil“

Osterloh weiß, das es kein Selbstgänger ist, die Experten nach Wolfsburg zu locken. Er sagt deshalb in dem Beitrag: „Wichtig ist mir aber auch, womit wir uns bei Volkswagen hier in Wolfsburg von der Konkurrenz abheben. Das Nordkopf-Projekt ist für mich da ein sehr wichtiges Puzzleteil. Es mangelt uns derzeit noch an Räumlichkeiten, die mit einer Top-Lage, einer Top-Ausstattung und einer Top-Infrastruktur inunmittelbarer Nähe wie ein Magnet auf neue Talente wirken.“ An diesem Punkt bringt er den Campus ins Spiel. Der könnte quasi organisch an die Autostadt anschließen, die sich ja qua Selbstdefinition als Campus und Schaufenster des transformierten Volkswagen-Konzerns sieht.

Die Stadt verspricht: Da wird noch ganz viel passieren

Bei Dezernent Dennis Weilmann läuft Osterloh offene Türen ein. Weilmann betonte kürzlich in einem Interview mit unserer Zeitung: „Die Markthalle mit der 42Wolfsburg ist der Startschuss für die Entwicklung des Nordkopfs hin zu einem neuen urbanen Zentrum. Da wird ja noch ganz viel passieren. Die städtischen Angebote in der Markthalle und die Programmierschule sind ein wichtiger Baustein für die Initiative Wolfsburg Digital. Seit 2016 sind wir da als Stadt gemeinsam mit VW unterwegs, Wolfsburg zur Smart City zu entwickeln.“

„Auch bei Google und Apple ist das nicht anders“

Osterlohs Stellvertreterin Daniela Cavallo hat identifiziert, was die Software-Spezialisten erwarten: „Junge Talente, gerade aus dem Software-Bereich, erwarten große Flexibilität – und zwar sowohl beim Arbeitsort als auch bei der Wahl ihrer Arbeitszeit. Aber man sollte nicht an diese Klischees glauben, wonach dieLeute, die wir suchen, alle aus Cafés im Prenzlauer Berg oder auf Parkbänken in München die Softwarewelten für unsere Autos bauen. Auch Programmiererinnen und Programmierer kommen gerne zusammen und pflegen den direkten Austausch – das erlebt man übrigens auch in unseren Labs und in der IT:City,wenn wir nicht gerade Pandemie haben. Auch bei Google und Apple ist das nicht anders. Aber nicht jede und nicht jeder muss halt immer im Büro dabei sein. Das lässt sich auch anders organisieren.“ Was am Nordkopf passieren muss, ist also klar. Nun müssen Stadt, Volkswagen und der Investor Signa es nur noch anpacken.

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