Digitalisierung – Fluch oder Segen in der Pflege?

Peine  Zum 40-jährigen Bestehen des Paritätischen Peine spricht die Sozialministerin Carola Reimann über die Chancen des Internets in diesem Bereich.

Feierten den Paritätischen Peine (von links): Henning Eschemann (Paritätischer Braunschweig), Birgit Eckhardt (Paritätischer Niedersachsen), Landessozialministerin Carola Reimann, Peines Landrat Franz Einhaus, Eva Schlaugat (frühere Geschäftsführerin des Paritätischen Peine), Peines Bürgermeister Klaus Saemann und Heike Horrmann-Brandt (Geschäftsführerin des  Paritätischen Peine).

Feierten den Paritätischen Peine (von links): Henning Eschemann (Paritätischer Braunschweig), Birgit Eckhardt (Paritätischer Niedersachsen), Landessozialministerin Carola Reimann, Peines Landrat Franz Einhaus, Eva Schlaugat (frühere Geschäftsführerin des Paritätischen Peine), Peines Bürgermeister Klaus Saemann und Heike Horrmann-Brandt (Geschäftsführerin des Paritätischen Peine).

Foto: Harald Meyer

. Die Digitalisierung im Bereich Pflege/Gesundheit – dieser sensible Prozess mag zwar von manchen skeptisch beäugt werden, kann aber die Arbeitsbedingungen durchaus erleichtern und verbessern: Dieser Überzeugung ist die Landessozialministerin Carola Reimann aus Braunschweig, die am Freitag zum 40-jährigen Bestehen des Paritätischen Peine vor rund 100 geladenen Gäste im Forum gesprochen hat.

Schon vor dem Referat der SPD-Frau hat Birgit Eckhardt als Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen klipp und klar gesagt, die Digitalisierung könne den Fachkräftemangel in der Pflege/Gesundheit nicht beseitigen, die Betreuung von Menschen sei eben nicht zu ersetzen durch Technik. Laut vernehmbar warnte sie davor, das Aufgabenfeld Pflege/Gesundheit/medizinische Versorgung dem freien Markt zu überlassen – zustimmender Applaus vom Publikum.

Und so musste Carola Reimann für „neue Ideen“ werben, mit denen auch künftig niedersachsenweit „flächenendeckend eine gute medizinische Versorgung und Pflege“ ermöglicht werden sollen – dabei helfen könne die Digitalisierung. Daten zur Zeiterfassung für bestimmte Pflegeleistungen und zur Tourenplanung der Pflegedienste könnten beispielsweise zu effizienterem Arbeiten führen. Hilfreich ist der Ministerin zufolge auch, wenn der ärztliche Bereitschaftsdienst (Telefonnummer 116 und 117) aufgrund bestimmter Computerprogramme sofort weiß, in welchen Krankenhäusern es noch welche Kapazitäten gibt für Patienten. „Bei Bagatellen gehen die Patienten am besten erst am nächsten Tag zum Arzt“, setzte sie hinzu. Aufgaben wie Blutabnahme müssten nicht Ärzte übernehmen, das könnten auch Pflegedienste leisten. Carola Reimann erwähnte an der Stelle auch eine gemeinsame Internet-Plattform von Hausärzten und Pflegediensten („digitale Brücke“) , um „sich auszutauschen und Synergieeffekte zu nutzen“.

Zwar geht es der Sozialministerin auch darum, im Bereich Pflege/Gesundheit/medizinische Versorgung Kosten zu sparen, doch sie betonte: „Die Digitalisierung ersetzt nicht den Menschen in diesen Berufen, aber sie kann ihn entlasten.“ Das Internet könne hier „Arbeitsabläufe erleichtern, so das Zeit gespart wird – das kann lebensrettend sein“. Letztlich gehe es darum, die „Pflegebedingungen zu verbessern und so die Arbeitszufriedenheit zu erhöhen“.

Birgit Eckhardt formulierte unmissverständlich: „Wir brauchen in der Pflege mehr Personal.“ Denn in diesen Berufen werde „an der Belastungsgrenze und darüber hinaus gearbeitet“; zudem fehle es den Pflegeberufen an „gesellschaftlicher Anerkennung“, die Bezahlung sei „unterdurchschnittlich“.

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