„Hör’ auf" – Schmedenstedter Kinder lernen Selbstvertrauen

Schmedenstedt.  Die Grundschule Schmedenstedt/Woltorf will mit dem „Respect“-Programm und dem Antrag auf Ganztagsschule beweisen, dass sie „zukunftsfähig“ sei.

„Halt, stopp“ – rufen die Kinder der 1b der Grundschule Schmedenstedt/Woltorf. Hinten von links) Britta Erdmann (Klassenlehrerin der 1b), Ilka Köther (Förderverein), Oliver Henneke und Schulleiterin Andrea Eisenhardt. 

„Halt, stopp“ – rufen die Kinder der 1b der Grundschule Schmedenstedt/Woltorf. Hinten von links) Britta Erdmann (Klassenlehrerin der 1b), Ilka Köther (Förderverein), Oliver Henneke und Schulleiterin Andrea Eisenhardt. 

Foto: Harald Meyer

„Hör’ bitte auf!“ – „Ich will das nicht!“ – „Nimm’ Deine Hände weg!": Als die Erstklässler das laut in der Schmedenstedter Turnhalle schreien, macht das den Mädchen und Jungen richtig Freude. Doch dieser Lärm hat einen ernsten und wichtigen Hintergrund: Denn in seinem „Respect“-Programm will Oliver Henneke die Schüler der Grundschule Schmedenstedt/Woltorf mit Spiel, Spaß und Bewegung zu einem „respektvollen Miteinander“ anhalten.

„Der Pausenhof ist kein Paradies“, weiß Henneke. Konflikte untereinander, das ist sein Anliegen, sollen die Kinder aber gewaltfrei lösen – daher auch diese laut herausgeschrienen Sätze. Dazu ist Selbstvertrauen nötig, aber auch das kann trainiert werden. Dem Gegenüber, der in die Schranken gewiesen werden soll, in die Augen zu schauen („Laserblick“); sich selbst aufrichten, als wenn man einen Reißverschluss hochzieht – mit solchen Übungen werden die Mädchen und Jungen mutiger.

„Vergleichsweise ist unsere Welt in Schmedenstedt und Woltorf für die Kinder in Ordnung“, sagt zwar Andrea Eisenhardt, Leiterin der Grundschule in diesen beiden Ortschaften: „Aber auch bei uns gibt es Kinder, die nicht mit allem ausgestattet sind, was sie sich für eine glückliche Kindheit wünschen.“ Umso wichtiger seien Programme wie „Respect“, durch das respektvolles Verhalten, Selbstvertrauen und Teamwork gefördert werden. Dank der Spenden der Stiftung Sparda-Bank in Hannover, der Erich-Mundstock-Stiftung in Wedtlenstedt und des Grundschulfördervereins müssen die Eltern nichts bezahlen für die Teilnahme ihrer Kinder an dem Kursus – „ein wichtiger Punkt mit Blick auf die Chancengleichheit für die Mädchen und Jungen“, ist Andrea Eisenhardt überzeugt. „Begeistert“ vom „Respect“-Programm ist Ilka Köther, stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins: Das, was die Kinder dabei lernten, sei für sie so spannend, dass sie es „auch zu Hause weiter leben“.

Für Andrea Eisenhardt und Ilka Köther ist das „Respect“-Programm ein weiterer Beweis dafür, dass „auch zweizügige Grundschulen wie in Schmedenstedt/Woltorf zukunftsfähig sind“. Ein weiteres Indiz dafür sei auch, dass „wir eine Ganztagsschule werden wollen“ – setzen sie hinzu. Ein entsprechender Antrag ist gestellt, das Land Niedersachsen hat ihn zu genehmigen. Hintergrund: Zurzeit gibt es Überlegungen, die Grundschulstandorte Schmedenstedt (erster und zweiter Jahrgang) und Woltorf (dritter und vierter Jahrgang) zu schließen und diese Schüler in der Dungelbecker Grundschule aufzunehmen – sie müsste dafür zumindest erweitert werden.

Von solchen Plänen, die der Rat der Stadt Peine – sie ist Schulträgerin – beschließen müsste, halten Andrea Eisenhardt und Ilka Köther jedoch nichts. Denn nicht nur eine Ganztagsschule, sondern auch inklusiver Unterricht (für Kinder mit und ohne Handicap) sei in den jetzigen Schulgebäuden in Schmedenstedt und Woltorf möglich. Unter den insgesamt 107 Schülern dieser Grundschule in zwei Ortschaften seien acht, die einen Unterstützungsbedarf in den Kategorien „Lernen“ und „sozial-emotionale Entwicklung“ hätten, erinnert Andrea Eisenhardt. Gleichwohl: Barrierefrei sind diese beiden alten Schulgebäude in Schmedenstedt und Woltorf nicht – für Kinder mit körperlichen Handicaps müsste also eine Barrierefreiheit geschaffen werden.

Angesichts der Aufteilung der Grundschule auf zwei Standorte spricht Andrea Eisenhardt offen und ehrlich von einer „schwierigen Situation“: „Wir Lehrer und die Eltern würden daher auch einen Neubau für unsere Schule für alle Schüler aus beiden Ortschaften begrüßen – entweder in Woltorf oder in Schmedenstedt“, verdeutlicht Andrea Eisenhardt, und Ilka Köther nicht zustimmend: „Uns ist wichtig, dass unsere funktionierende Schule mit ihrem Konzept erhalten bleibt.“ Nebenbei: Die Schülerzahlen aus Woltorf sind höher als die in Schmedenstedt.

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