Die Lage an der Ilseder Grund- und Hauptschule könnte sich beruhigen – auf Anordnung von oben. In den Streit wegen eines Schülervideos und der potenziellen Strafversetzung eines Schulsozialarbeiters schaltet sich nun das niedersächsische Kultusministerium ein.
Video war nicht abgesprochen
Schüler der 7. Klassen hatten bauliche Missstände an der Schule per Videodreh dokumentiert und öffentlich gemacht, trotz des Smartphoneverbots an der Schule während der Unterrichtszeit. Auch ein Schulsozialarbeiter kam darin zu Wort. Dieser werde deswegen abgestraft und zwangsversetzt, hieß es aus Kreisen der Schüler und Eltern, die am Samstag für „ihren“ Schulsozialarbeiter auf dem Ilseder Marktplatz demonstrieren wollten.
Behörde: keine Strafversetzung
Die Landesschulbehörde hatte auf Nachfrage unserer Zeitung betont, dass mit dem Mitarbeiter nur wegen einer „einvernehmlich geregelten Versetzung an eine andere Schule“ gesprochen werde. Der Grund sei aber nicht nur das nicht mit der Schulleitung abgesprochene Video, sondern schon länger bestehende „pädagogische Unstimmigkeiten“.
Runder Tisch geplant
Nun greift das Kultusministerium des Landes Niedersachsen ein. Am Freitag hieß es auf Nachfrage von NDR 1 während der Landespressekonferenz in Hannover, dass ab Montag ein „erfahrener und neutraler“ Mediator von der Landesschulbehörde an die Ilseder Schule geschickt werde. Das Ziel sei ein runder Tisch.
Keine Personalmaßnahmen
Zudem wurde von einer Sprecherin des Kultusministeriums betont, dass es keine Personalmaßnahmen gegen den Schulsozialarbeiter geben werde.
Demo abgesagt
Roland Mainka vom Kreiselternrat des Landkreises Peine teilte zu dem Streit an der Ilseder Schule mit: „Ich habe, (als Abgeordneter im Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport (ABKS), in den letzten Tagen intensive Gespräche mit allen Beteiligten geführt – bis auf die Schulleitung der GHS, die mir keinen Gesprächstermin angeboten hat.“ Die am Samstag geplante Kundgebung der Schüler ist abgesagt, „da quasi alle Maßnahmen durch das Schulamt zurückgenommen wurden“.
Eltern von Schülern der Ilseder Schule hätten bereits mehrfach Kundgebungen wegen des Umgangs mit dem Schulsozialarbeiter und den zwischenzeitlich den Schülern drohenden Sanktionen geplant. Nun sollte es Samstag, dann organisiert durch den Schulelternrat der Ilseder Schule, soweit sein. „Für diese Demo gibt es aber nun keine Grundlage mehr“, betont Roland Mainka erneut und hofft, dass sich besonders einige sehr aufgebrachte Eltern beruhigen.
Schulsozialarbeiter will in Ilsede bleiben
Der betroffene Schulsozialarbeiter werde seinen Dienst an der Ilseder Grund- und Hauptschule wieder antreten, sobald es sein Gesundheitszustand zulasse. „Er will an der Schule bleiben“, sagt Roland Mainka, der mit ihm persönlich gesprochen habe. Die von der Landesschulbehörde angebotene „Begleitung“ einer Versetzung an eine andere Schule sei keine Option für ihn.
Reaktion der Schulleitung „völlig überzogen“
In der nächsten Woche soll es weitere Gespräche, auch mit Lokalpolitikern geben, um möglichst bald den runden Tisch vorzubereiten. Es hatte bereits diverse Rückmeldungen zu dem Streit gegeben. So bezeichneten einige Lokalpolitiker die Reaktion der Ilseder Schulleitung gegenüber dem Sozialarbeiter und den Schülern als völlig überzogen. Auch während der Landespressekonferenz betonte das Kultusministerium, dass man sich „aktive Schüler“ wünsche und damit das Aufzeigen von Missständen an der eigenen Schule keine sanktionierbare Handlung darstelle.
Kreiselternrat will Beteiligung der Öffentlichkeit
Wenn ab Montag der Mediator des Ministeriums übernimmt, will der Kreiselternrat nicht nur Zuschauer sein. „Wir wollen aktiv beteiligt werden“, betont Roland Mainka. Und es dürfe nicht nur eine schulinterne Diskussion der Ereignisse geben. „Auch die Öffentlichkeit muss daran beteiligt werden!“
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